Umfragen sind immer ein tolles Marketinginstrument. Ja, Marketinginstrument - man kann nämlich ohne Schwierigkeiten zu jeder beliebigen These eine Umfrage durchführen, bei der schließlich genau das gewünschte Ergebnis entsteht - ganz egal, wie das gewünschte Ergebnis aussieht. Es kommt alles darauf an, die Fragen richtig zu stellen.
Erfolgsgaranten (im Sinne von: praktisch jeder sagt "ja", weil keiner dagegen sein kann) sind z.B. Sind Sie gegen Kinderpornografie im Internet oder Sind sie für das Gesetz gegen Kinderpornografie im Internet. Das weiß auch die dubiose "Deutsche Kinderhilfe". Aber weil man dort eben auch erahnen kann, dass man mit derartig suggestiven und plakativen (um nicht zu sagen auch faktisch einfach mal völlig falschen) Fragestellungen zwar hervorragend Passanten überrumpeln, aber vermutlich keinen Menschen mit ein wenig Zeit zum Nachdenken überzeugen kann, hat man ein bisschen Geld in die Hand genommen und das Institut "infratest dimap" mit einer Umfrage unter 1000 Wahlberechtigten beauftragt.
Das Ergebnis ist durchaus interpretationswürdig, wenn auch zum größten Teil vorhersehbar. Bei einer Frage wie dieser (Infratest hat sich zwar nicht vollkommen der Vereinfachung hingegeben wie die Kinderhilfe das bei ihren Unterschriftensammlungen zu pflegen scheint, aber die Situation doch stark vereinfacht und lediglich Behauptungen gegenübergestellt) kann einfach nichts anderes rauskommen: 92% sind angeblich für Internetsperren gegen Kinderpornografie.
Hochinteressant wird es, wenn man sich mal ansieht, wo die restlichen 7% geblieben sind. 6% sind gegen die Sperren, 1% enthält sich. 1%! Ein lächerliches Prozent! Wohlgemerkt, die Umfrage hatte als Basis "alle wahlberechtigten Bürger über 18 Jahren". Das bedeutet, dass die 31%, die nach einer recht aktuellen Umfrage das Internet gar nicht nutzen, praktisch allesamt mit abgestimmt haben - höchstwahrscheinlich, ohne sich überhaupt mit dem Thema in irgendeiner Weise befasst zu haben, denn als Nicht-Motorradfahrer ist die Wahrscheinlichkeit bei mir beispielsweise auch deutlich geringer, dass ich mich für irgendwelche Gesetzesänderungen interessiere, die nur Motorradfahrer betreffen. Und wofür stimmt man wohl bei einer solchen Frage, wenn man im Grunde gar nicht weiß, worum es geht, aber die Schlüsselwörter "sperren" und "Kinderpornos" vernommen hat? Bingo!
Und das ist beileibe nicht das einzige Problem dieser Umfrage. Das viel größere ist, dass die Umfrage ein sehr komplexes und vielschichtiges, in der Öffentlichkeit aber massiv emotional aufgeladenes Thema zum Subjekt hat, und dass hier mehr oder weniger so getan wird, als ob man bei einer Frage zu diesem Thema sachliche Antworten erhalten würde. Dem ist nicht so. Vor allem dann nicht, wenn der größte Teil der Bevölkerung mangels Hintergrundwissen gar nichts mit den Pro- und Contra-Argumenten der Befürworter und Gegner anfangen kann. Emotionales Thema - überwiegend emotional bestimmte Antwort. Und da wir ja zum allergrößten Teil (wobei...ich warte schon darauf, dass der Erste aus seinem Loch gekrochen kommt und die 6% Nein-Sager der infratest-Umfrage pauschal zu Kinderpornokonsumenten erklärt) Kinderporno wirklich verabscheuen, muss man nicht lang überlegen, um zu wissen, wie diese "aus dem Bauch heraus" gebildete Antwort aussieht. Das ist ohne Zweifel vorteilhaft für die Befürworter von Sperren, daher bemühen sie sich auch trotz gegenteiliger Äußerungen nicht, die Diskussion zu versachlichen, ganz im Gegenteil: es wird polarisiert und gestichelt, wo immer es möglich ist.
Würde man dieselbe Umfrage, wie sie hier stattgefunden hat, auf einem für jedermann offenen Kongress zum Thema Internetsperren, auf dem sowohl Befürworter als auch Gegner gleichermaßen Redezeit zur Vorstellung ihrer Argumente erhalten haben, durchführen - ich verwette meinen Arsch darauf, dass das Ergebnis drastisch anders ausgefallen wäre.
...schon wieder so laut? Die "Deutsche Kinderhilfe" hat vor ein paar Tagen vollmundig eine Unterschriftenaktion "für das Gesetz gegen Kinderpornographie im Internet" (O-Ton) angekündigt und nach eigenem Bekunden schon die ersten 2.000 Unterschriften gesammelt. Mir drängen sich da gleich mehrere Fragen auf...
Ob sie wohl auch 2.000 Unterschriften zusammenbekommen hätten, wenn sie den Unterzeichnenden gesagt hätten, dass es das, wofür da unterschrieben wird, schon längst gibt? Kinderpornographie war, ist und wird hierzulande - so wie in praktisch allen westlichen Ländern, also pikanterweise genau da, wo die große Mehrheit der öffentlichen Server mit kinderpornographischen Inhalten steht - auch nie erlaubt sein, weder offline noch im Internet.
Oder ob sie überhaupt die Hälfte zusammenbekommen hätten, wenn die Unterzeichneten aufmerksame "Welt"-Leser gewesen wären und aus einer aufschlussreichen dreiteiligen Artikelserie gewusst hätten, welch merkwürdige Verquickungen mit einem ganz und gar kommerziellen Direktmarketing-Unternehmen diese angeblich gemeinnützige Organisation aufweist? Diese veranlassten den Schiedsausschuss des deutschen Spendenrats 2008 nach Aufdeckung des sorgsam verwobenen Unternehmensgeflechts zum Ausschluss der Organisation.
Oder ob sie auch nur ein Viertel von ihrem Blödsinn hätten überzeugen können, wenn die Leute gewusst hätten, dass selbst Missbrauchsopfer sich in einem Verein gegen Internetsperren organisiert haben - also diejenigen, die angeblich die eigentlichen Nutznießer der ganzen Angelegenheit sein sollen? Ich weiß, es wurde schon tausendmal zitiert, aber ein Satz vom Vorstand des besagten Vereins aus einem sehr aufschlussreichen Zeit-Interview ist so eindringlich, dass er gar nicht oft genug wiederholt werden kann, auf dass endlich jeder - und nicht nur die bislang über 80.000 (!) Unterzeichner der laufenden Petition gegen Sperrung von Internetseiten - die einfache Wahrheit darin begreifen möge:
Bahls: Weil er Kinderpornografie nicht bekämpft. Da ist irgendwo im Internet ein Missbrauch dokumentiert und die Bundesregierung schaut weg. Und sagt uns Bürgern, wir sollen auch wegschauen.
Aber vermutlich hätten die Kinderhilfe-Gutmenschen samt ahnungslosem Oberbürgermeister auch bei nur 100 Unterschriften noch lächelnd fürs Pressefoto posiert, denn schließlich kennt man sich ja aus mit Marketing...
P.S: Als Nachtrag noch einen Link auf einen lesenwerten Telepolis-Artikel zum Thema.
Im Zusammenhang mit der automatischen Erzeugung von Sitemaps für Suchmaschinen in Ruby-on-Rails-basierten Webanwendungen habe ich gestern nach langer Sucherei irgendwo (wenn ich noch wüsste, wo...) folgenden äußerst nützlichen Codeschnipsel ausgegraben:
return time.utc.strftime("%Y-%m-%dT%H:%M:%S+00:00")
end
Die kleine Hilfsfunktion konvertiert einen Ruby-Timestamp - also ein Time-Objekt - ins W3C-Date-and-Time-Format, wie man es bei der Angabe der letzten Änderungszeit in Sitemaps benötigt. Damit kann man sehr schön z.B. in einem Blog (wie diesem hier ;-) den Zeitpunkt der letzten Änderung an einem Posting an Suchmaschinen weiterreichen (auch wenn das strenggenommen nicht ganz korrekt ist, ich müsste eigentlich den Zeitpunkt des letzten Kommentars zu einem Posting nehmen, aber das änder ich evtl. noch dahingehend ab).
Gespannt bin ich nun nur noch darauf, ob der Googlebot es fertigbringt, meine XML/XSLT-basierten Seiten überhaupt zu indizieren, oder ob Google ein weiterer Grund sein wird, möglichst bald serverseitig einen XSLT-Transformator einzurichten, der die Seiten selektiv vor der Auslieferung in XHTML umwandelt, wenn er den Verdacht hat, dass der Empfänger vielleicht keine XSLT-Transformation durchführen kann. Momentan hat Google jedenfalls nur ein paar leere Directory-Seiten auf dieser Domain gelistet...
Blizzard ist ja schon recht lange kein unabhängiges Entwicklerstudio mehr. Zunächst gelangten sie über ein paar Ecken in den Besitz von Vivendi, die sie 2008 als ihren wohl bedeutendsten Beitrag in die Fusion mit Activision einbrachten - seit dem 10. Juli 2008 gehört Blizzard offiziell zum Spielegigant Activision Blizzard, welcher mit der Fusion quasi über Nacht den damaligen Platzhirsch Electronic Arts auf Platz zwei verwiesen hat.
Trotz der Zugehörigkeit zu großen Konzernen hat es Blizzard bisher aber gut geschafft, weitgehend unabhängig von Druck seitens der Mutterkonzerne zu arbeiten. Blizzard brachte seine Spiele dann auf den Markt, "when they were done", und Blizzard fuhr eine recht lockere Linie, was die Nutzung seiner Marken, Artworks, Charaktere und ähnliches in Fan-Projekten angeht (jedenfalls so lange sich niemand ungebührlich an Blizzards Intellectual Property bereicherte). Vivendi hielt es wohl für die wirtschaftlich beste Lösung, Blizzard - den Shooting-Star in ihrem Stall - "einfach machen" zu lassen. Diese vergleichsweise große Unabhängigkeit von raffgierigen Konzernmanagern ist meiner Meinung nach auch einer der Hauptgründe dafür, dass Blizzard zum respektabelsten Spieleentwickler aufgestiegen ist.
In letzter Zeit häufen sich aber beunruhigende Ereignisse, die mich langsam daran zweifeln lassen, dass Blizzard auch im neuen Riesenkonzern "Activision Blizzard" noch dieselbe Unabhängigkeit genießt. Man kann als Außenstehender über Eingriffe und Druck aus dem Management auf die konkrete Entwicklung neuer Spiele natürlich nur mutmaßen, aber in den Umgang von Blizzard mit seiner Fanbase hat man einen recht direkten Einblick. Und da läuft derzeit eine ganze Menge schief!
...und hiermit ist die Welt um ein weiteres Blog reicher :)
Ob es irgendjemanden interessiert, wird sich herausstellen - jedenfalls hab ich nun endlich ein Plätzchen zur Veröffentlichung von Papers, Präsentationen und anderem Ramsch, der so während eines Medieninformatik-Bachelor-und-Master-Studiums abfällt, aber eigentlich zu schade ist, um ihn in den Tiefen meiner Festplatten vor sich hin gammeln zu lassen.
Und ich hab nen Platz, um meine Meinung zu aktuellen Themen im IT-Bereich und im Bereich der deutschen (Netz-)Politik loszuwerden. Ein paar Postings zum Thema World of Warcraft wird's sicher auch geben, das Spiel ist immerhin eine meiner größeren Leidenschaften. Wir werden sehen, wie viel vernünftiges Geschreibsel ich so zusammenbekomm ;-) das wird hier sicher nicht täglich was neues geben, einfach weil mir fürs Bloggen in dem Umfang die Zeit fehlt, aber gelegentlich mal nen neuen Eintrag möcht ich schon hinbekommen.
Seinen ersten Zweck hat das Blog jedenfalls schon mal erfüllt - die Software dahinter habe ich "from scratch" neu geschrieben, hauptsächlich um mich noch etwas eingehender mit Ruby on Rails zu beschäftigen. Mehr Hintergründe hierzu stehen in einem separaten Artikel.
